Geschichte Rathenows

Hier finden Sie diverse Artikel zu Persönlichkeiten, Ereignissen und Parteien aus der Rathenower Zeitgeschichte.

Ebenfalls findet man unter www.bukiinwonderland.com/rathenow/ Informationen aus der „Nazizeit in Rathenow. Vom Aufstieg und Untergang eines Verbrechersystems“. Umfangreiche Quellenangaben sichern die Fakten. Neben der Zeitleiste ist die Ereignisleiste mit Kurztext, die dritte Spalte erläutert umfangreich und enthält Biografien und die Darstellung von geschichtlichem Geschehen sowie Verweisen.

Das Jahr 1923

Dieter Seeger
Zur Einordnung der lokalen Ereignisse in die Klassenkämpfe während der Revolutionären Nachkriegskrise in Deutschland. Die soziale Lage: Verstärkte Ausbeutung der Werktätigen, zusätzlich durch die grassierende Inflation; sinkende Reallöhne, Hunger-Unruhen, Provokationen durch nationalistische und faschistische Verbände. Die Folgen: Demonstrationen, ökonomischer Kampf gegen die kapitalistischen Unternehmen als Streiks, die zunehmend auch politische Ziele formulieren: "Schlagt Cuno und Poincaré an der Ruhr und an der Spree“. Die Zuspitzung der Klassenkämpfe: März: Oberschlesien – 40.000 Bergarbeiter gegen Terror und für Wiedereinstellung gemaßregelter revolutionärer Betriebsräte. Dortmund – Forderung nach Ausgabe von Kohlen an die frierende Bevölkerung. 1. Mai: In allen Städten marschieren proletarische Hundertschaften an der Spitze der Demonstrationen. Mai – 40.000 Berg- 8nd Hüttenarbeiter streiken im Ruhrgebiet. In Gelsenkirchen provozieren Faschisten Straßenkämpfe. Bewaffnete Hundertschaften der Arbeiter stürmen das Rathaus und stellen politische Forderungen: Sturz der Reichsregierung. 100.000 Berg- und Hüttenarbeiter streiken in… weiterlesen "Das Jahr 1923"

Die Novemberrevolution 1918/19

Dieter Seeger
Aus der Geschichte der Rathenower Arbeiterbewegung Der sozialdemokratische Wahlverein – in Rathenow 1889, also während der Zeit des Sozialistengesetzes (1878-90), gebildet – prägte durch intensive Aktivitäten der Mitglieder den Kampf für die Arbeiterinteressen. Am Beginn des Jahrhunderts stand die zahlenmäßig wachsende Sozialdemokratie der Stadt auf dem Boden der II. Internationale und ihrer Beschlüsse von Stuttgart 1907. Jedoch bemächtigten sich (etwa ab 1907) zunehmend Partei-"Rechte“ der Führung. Direkten Anteil daran hatte Eduard Bernstein, der in Rathenow Schulungsabende mit SPD-Mitgliedern, vor allem aber mit Funktionären, abhielt. Er vertrat die Theorie vom friedlichen Hineinwachsen in den Sozialismus. Diese Idee wurde durch die kapitalistischen Unternehmer der sich rasch entwickelnden optische Industrie begünstigt. Die großen Profite von Emil Busch AG, Nitsche & Günther und der vielen anderen mittleren optischen Betriebe ermöglichte es ihnen, stärker als anderswo einzelnen Gruppen von Arbeitern besondere Begünstigungen zu gewähren (z.B. den "Goldarbeitern“ im Gegensatz zu den "Rotenburgern“), sie also zu… weiterlesen "Die Novemberrevolution 1918/19"

Die Märzrevolution 1848

Dieter Seeger
Seit dem Vormärz und erst recht im Frühjahr 1848 gärt es überall. Von Frankreich aus schlägt die Welle der Revolution in das übrige Europa, auch nach Deutschland. Die unerträglichen gesellschaftlichen Widersprüche drängen zu einer Lösung, aber die Feudalklasse ist unwillig und unfähig zu Veränderungen zugunsten des Bürgertums und erst gar nicht zu Verbesserungen der Lage der arbeitenden Klasse. Der Barrikadenkampf im März in Berlin ist bekannt. Das aufrüttelnde Beispiel der Kämpfer am Beispiel des jungen Ernst Zinna, der unter den Kugeln der königlichen Grenadiere starb, begeistert das Volk. Der Ausspruch des "Kartätschenprinzen", des künftigen deutschen Kaisers, "Gegen Demokraten helfen nur Soldaten" empört die Massen. Aber die Genugtuung, dass der König seinen Hut vor den auf dem Schlossplatz aufgebahrten toten Revolutionären ziehen muß, stärkt Bourgeoisie und Proletariat. Die Revolution erfasst die märkische Kleinstadt Rathenow Wie in vielen anderen deutschen Städten litt auch in Rathenow das Wirtschaftsleben unter der seit 1847 herrschenden Wirtschaftskrise. Als unter dem Einfluß der revolutionären Ereignisse die… weiterlesen "Die Märzrevolution 1848"

Der Tagesspiegel vom 23. Mai 1953

Dieter Seeger
Das Frontstadtblatt „Der Tagespiegel“ verbreitet Greuelmeldungen Zur "Juwelenhochzeit" (72,5 Jahre) schenkte uns Susi eine historische Zeitung, eben vom 23. Mai 1953. Eine Westzeitung, die damalige hiesige Zeitung "Märkische Volksstimme" war nicht zu kriegen. Die hätte sich nach über siebzig Jahren sicher auch seltsam und befremdlich gelesen: Die Zeiten haben ihre eigene Sprache. Aber unter den Bedingungen des Kalten Krieges – wir sagten Klassenkampf – gab es besonders scharfe Stereotype. Die reichten aber dem "Tagespiegel", dem "Telegraf" oder der "BZ" nicht. Sie sogen sich "Tatsachenberichte aus dem Osten" aus den Fingern. (Die "Bild", das Revolverblatt, gab es damals noch nicht. Die perfektionierten die Hetze.) Wir Hochzeiter kannten das einst als alltäglich. Darum belustigten uns die Meldungen, aber sie ärgerten uns doch noch. Viele der Westberliner Leser glaubten das! Und mancher hier, der die DDR weghaben wollte, ja haßte, auch. Na ja, 25 Tage später war der 17. Juni, an dem in Rathenow Wilhelm Hagedorn ermordet wurde und der FDJ-Vorsitzende Hans Franke halb totgeschlagen wurde. Alles hängt mit allem… weiterlesen "Der Tagesspiegel vom 23. Mai 1953"

Paßfälscher 1925

Dieter Seeger
Im März 1925 meldeten die Rathenower Zeitungen Ungeheures: "Die kommunistische Paßfälscherwerkstatt – vier Rathenower Kommunisten vor Gericht." Sie waren in Berlin-Neukölln verhaftet worden und wurden angeklagt. Es waren die kommunistischen Stadtverordneten Wilhelm Görn und Otto Ganske, der im Kommunistischen Jugendverband aktive Friedrich Kulf und der KPD-Mann Friedrich Leist. Ein Monteur, ein Malergehilfe, ein Hornarbeiter und ein optischer Arbeiter. Was führten sie Kriminelles im Schilde? Der Staatsanwalt warf ihnen vor, mit den gefälschten Ausweisen verfolgten Kommunisten die Flucht zu ermöglichen. Also gab es eine Kommunistenjagd. Das war in all den Jahren des Bestehens der KPD nicht selten, denn die Revolutionäre rüttelten ja an der Macht der Kapitalisten und ihres Staatsapparates. Und das war nach bürgerlichem Verständnis Vorbereitung zum Hochverrat. Doch die Urteile lauteten auf lediglich einen Monat Haft zur Bewährung und jeweils 100 Mark Geldstrafe. Da muß man wohl die politische Situation betrachten, nach der weitgehend gescheiterten Novemberrevolution 1918 und dem Abebben der revolutionären Nachkriegskrise, jetzt wo… weiterlesen "Paßfälscher 1925"
Der "Vorwärts" (SPD) hetzt schon am 29. April 1929

Blutmai 1929

Dieter Seeger
Viel ist über den "Bruderzwist" zwischen Sozialdemokraten und Kommunisten geschrieben worden. Jede Seite bezichtigte die andere des "Arbeiterverrats" und diffamierte mit Begriffen wie "Kommunazis" und "Sozialfaschisten". Eine bequeme Situation für Konservative, Rechte und Faschisten: Deren eigentliche Feinde bekämpften sich erbittert. Sie selbst konnten ihr Süppchen in Ruhe kochen. Ein Höhepunkt dieses Kampfes war der Blutmai 1929. In Berlin verboten der sozialdemokratische… weiterlesen "Blutmai 1929"