Das Jahr 1923

Dieter Seeger

Zur Einordnung der lokalen Ereignisse in die Klassenkämpfe während der Revolutionären Nachkriegskrise in Deutschland.

Die soziale Lage: Verstärkte Ausbeutung der Werktätigen, zusätzlich durch die grassierende Inflation; sinkende Reallöhne, Hunger-Unruhen, Provokationen durch nationalistische und faschistische Verbände.

Die Folgen: Demonstrationen, ökonomischer Kampf gegen die kapitalistischen Unternehmen als Streiks, die zunehmend auch politische Ziele formulieren: „Schlagt Cuno und Poincaré an der Ruhr und an der Spree“.

Die Zuspitzung der Klassenkämpfe:

  • März: Oberschlesien – 40.000 Bergarbeiter gegen Terror und für Wiedereinstellung gemaßregelter revolutionärer Betriebsräte.
  • Dortmund – Forderung nach Ausgabe von Kohlen an die frierende Bevölkerung.
  • 1. Mai: In allen Städten marschieren proletarische Hundertschaften an der Spitze der Demonstrationen.
  • Mai – 40.000 Berg- 8nd Hüttenarbeiter streiken im Ruhrgebiet. In Gelsenkirchen provozieren Faschisten Straßenkämpfe. Bewaffnete Hundertschaften der Arbeiter stürmen das Rathaus und stellen politische Forderungen: Sturz der Reichsregierung.
  • 100.000 Berg- und Hüttenarbeiter streiken in Schlesien.
  • 120.000 Landarbeiter streiken in Schlesien um elementare Lebensrechte.August – Die streikenden Arbeiter des Braunkohlenreviers Borna fordern den Sturz der Cuno-Regierung.
  • 11. August – Die Berliner Betriebsrätekonferenz beschließt den Generalstreik zum Sturz Cunos; am 12. August tritt Cuno zurück.
  • 12. September – Hungerdemonstration in Dresden zum Rathaus. Die Polizei knüppelt und schießt – 13 Schwerverletzte.
  • 13. September – Beuthen, Schlesien: Hungerdemonstration, Plünderung von Lebensmittelläden. Polizei schießt in die Menge: 7 Tote, 30 Schwerverletzte.
  • 22. September – 100.000 bei Hungerdemonstration in Gleiwitz, Schlesien. Polizeiterror.
  • 22. September – Hamburg: Einstündiger Generalstreik gegen die Verelendung der Werktätigen
  • September – Sorau/Niederlausitz: Kurzarbeiter demonstrieren gegen Hungerlöhne, Polizei schreitet ein: 12 Tote, 16 Schwerverletzte.
  • September – in Hessen streiken Zechenarbeiter, in Braunschweig demonstrieren Erwerbslose, in Bayern weigern sich Eisenbahner mit Erfolg, bewaffnete faschistische Verbände zum geplanten „Marsch auf Berlin“ zu transportieren.
  • 14. September – 2.000 Bauarbeiter und weitere badische Textilarbeiter protestieren in Lörrach gegen Lohndrückerei. 15.000 Arbeiter demonstrieren vor dem Bezirksamt. Die Staatsgewalt beschwichtigt. In der Nacht zum 17. September besetzen Polizeieinheiten Lörrach und Umgebung. Der Streik mündet in den bewaffneten Kampf gegen die Polizeitruppen, zwei Tage Barrikadenkampf. Generalstreik der oberbadischen Arbeiter. Aktionseinheit KPD/SPD, Gemeinsamer Kampf von Nordbaden bis zur Schweizer Grenze. Der Ausnahmezustand wird verkündet über Lörrach, Schopfheim, Schönau und Säckingen, am 19. September erweitert auf Heidelberg, Mannheim, Schwetzingen, Weinheim, Durlach, Karlsruhe, Ettlingen, Rastatt, Lahr, Emmendingen, Freiburg, Mühlheim, Waldshut und Konstanz. Die Arbeiter erzwingen trotzdem den Abzug der Polizei.

Die Politik der herrschenden Klasse

Hugo Stinnes, Deutsche Volkspartei (DVP), erklärte in der Sitzung seiner Reichstagsfraktion am 12. September: „In vierzehn Tagen werden wir den Bürgerkrieg haben, Hilferdings Programm kann ihn nicht verhindern. Mehr arbeiten, Zahlungsmittel schaffen, Sachsen und Thüringen exekutieren. Kein Tag darf verlorengehen, sonst wird die Straße das Kabinett Stresemann stürzen.“

Zur Erklärung: Hugo Stinnes (DVP), Großkapitalist in der Montanindustrie, Antikommunist, finanzierte die Konterrevolution. Stand für eine diktatorische Herrschaft des Großkapitals. Rudolf Hilferding (SPD), unter Gustav Stresemann Minister für Finanzen (13. August bis 6. Oktober 1923). Das oben genannte „Programm“ sollte offensichtlich die kapitalistische Herrschaft konsolidieren. Sachsen und Thüringen nahmen Kurs auf eine Koalitionsregierung SPD/KPD – „Arbeiterregierung“ als Gegenreaktion auf das Erstarken rechter Kräfte und eine Bedrohung durch die faschistischen Kräfte in Bayern (NSDAP-Putsch am 9. November 1923). Die Regierung in Sachsen unter Erich Zeigner (SPD) bildete proletarische Hundertschaften als Schutzorgan, was die Reichsregierung als „revolutionäre Vorbereitungen“ betrachtete. Friedrich Ebert, SPD, Reichspräsident, erließ eine Notverordnung zum Einsatz der „Reichsexekution“, entsandte Truppen der Reichswehr zur Beseitigung der „Arbeiterregierungen“ in Sachsen am 29. Oktober und in Thüringen am 6. November 1923. Reichskanzler Stresemann (DVP) wird danach durch ein Mißtrauensvotum der SPD (im Reichstag) gestürzt.

Daß Hilferding 1934 für die Exil-SPD (SoPaDe) arbeitet und für deren Vorstand unter Wels das „Prager Manifest“ schreibt, in dem Lehren aus dem Versagen der SPD und Schlußfolgerungen für eine künftige sozialistische Politik gezogen werden, läßt ein zumindest vorübergehendes Einsehen vermuten. Hilferding wird von der Gestapo in Paris umgebracht.

Stinnes erläuterte wenige Tage darauf dem amerikanischen Botschafter Houghton: Die gesamte Lage erfordere die Kapitulation an Rhein und Ruhr (Ruhrkämpfe, passiver Widerstand gegen die französischen Besatzer). Da aber die deutschen Arbeiter trotz der zerrütteten Wirtschaft nicht auf die Einführung eines normalen Zehnstundentages eingehen werden, müsse ein Diktator gefunden werden, der sie dazu zwinge. Ein solcher Mann, der die Sprache des Volkes rede und selbst bürgerlich sei, stehe bereit. Eine große, von Bayern ausgehende Bewegung, entschlossen, die alten Monarchien wieder herzustellen, sei in zwei bis drei Wochen zu erwarten.

Der Plan, den Stinnes entwarf, gründete sich auf folgende Überlegungen: Mitte Oktober werde es in Deutschland drei oder möglicherweise vier Millionen Arbeitslose geben. Die Kommunisten würden versuchen, diese Lage zum Ausbruch einer Revolution auszunutzen. Ebert (Reichspräsident, SPD) werde bei Beginn der kommunistischen Operationen einen Mann oder, wenn möglich, ein Komitee von drei Männern als Diktator ernennen und ihnen die militärische Gewalt übertragen; dann sei die parlamentarische Regierung zu Ende. Danach gelte es, die Kommunisten rücksichtslos zu zerschmettern. Er, Stinnes, wünschte, daß die Kommunisten begännen.

Quelle

George W.F. Hallgarten, „Hitler, Reichswehr und Industrie“ Zur Geschichte der Jahre 1918-1933, Frankfurt am Main 1955, S. 65-68,
zitiert bei Hans Habedank in „Zur Geschichte des Hamburger Aufstandes“

Die Rolle der lokalen Zeitung während der Revolution

Die rechtskonservative “Rathenower Zeitung” prägte die öffentliche Meinung. Sie unterstützte vorbehaltlos die Konterrevolution.
Die Zeitung brachte jedoch keine Berichte aus der Region.

In der Ausgabe vom Freitag, dem 10. Januar 1919, berichtete die “Rathenower Zeitung” (RZ) von den Januarkämpfen in Berlin unter der Überschrift “Immer noch spartakistische Schießereien”: “Der Bürgerrat von Groß-Berlin fordert die Bürger und Arbeiter auf, sofort in die republikanische Volkswehr einzutreten. Jeder waffenfähige Mann solle sich umgehend beim Regiment Reinhard in der Kaserne des 4. Garde-Regiments zu Fuß oder bei der Gardekavallerie-Division in Dahlem melden.” Im Eiverständnis mit dem Oberkommandierenden Noske, heißt es. Und dann zitiert und kommentiert die RZ andere Pressestimmen: “Die “Freiheit” ist natürlich sehr enttäuscht über die Bildung dieser Freiwilligentruppen, die sie mit dem Schimpfnamen “Weiße Garde” versieht und fordert die Arbeiter auf, diesem Lockruf nicht zu folgen, sondern sich zur Abwehr gegen die Weiße Garde zusammenzuscharen.” “Die “Rote Fahne” stellt die Bildung von Freiwilligentruppenteilen als Beweis dafür dar, daß die Garnisontruppen von Berlin sich nicht bereiterklärt hätten, für die Regierung zu kämpfen.” “Nach der “Post” ist der bisherige Kommandeur der Marinedivision, Dorrenbach, geflüchtet und soll von den Matrosen verhaftet werden, wenn er angetroffen wird.” “Die Entlassung Eichorns vom Vollzugsrat anerkannt”, lautet die Schlagzeile, die die weiteren Machtkämpfe zwischen Ebert-Scheidemann und den Revolutionären schildert: “Das gestrige Extrablatt des “Vorwärts” meldete: Der Vollzugsrat hat gestern mit 12 gegen 2 Stimmen entschieden, daß Eichhorn zu Recht entlassen worden sei. … Der Vollzugsrat forderte die Rückgabe des “Vorwärts” an seinen rechtmäßigen Besitzer.”

Anmerkung: Die genannten Truppen der Gardeeinheiten, die Garnisontruppen, sind der konterrevolutionäre Arm der Ebert-Scheidemann gegen die Bestrebungen der Linken, die Revolution mit dem Ziel einer Räterepublik fortzusetzen. Aus ihren Reihen kommen fünf Tage später die Mörder von Liebknecht und Luxemburg. Die Volksmarinedivision (Gründung am 11. November 1918) ist als revolutionäre Einheit nach Berlin gekommen und ist der eigentliche bewaffnete Arm der Revolution, dessen sich aber die SPD unter dem maßgeblichen Einfluß Gustav Noskes entledigen wollte, als sie die Revolution für beendet erklärten und die Wahlen zur Nationalversammlung als Vollendung ihrer bürgerlichen Politik bezeichneten. Die Ebert-Regierung hatte einen geheimen Pakt mit der Obersten Heeresleitung unter Groener geschlossen und setzte bei der “Blutweihnacht” diese Truppen gegen die Matrosen ein. Bis dahin war die Revolution unblutig verlaufen.

Der Berliner Polizeipräsident Eichhorn, USPD, wurde durch den Vollzugsrat – die SPD hatte hier Mehrheiten – am 4. Januar 1919 abgesetzt, weil er zu den linken Revolutionären gehörte. Daraufhin riefen die KPD, die USPD (deren Vertreter den Vollzugsrat aus Protest gegen die Ebertregierung verlassen hatten) und die Revolutionären Obleute (der Gewerkschaft) zur Protestdemonstration am 5. Januar auf, die 500.000 Teilnehmer hatte. Die Demo mündete in den bewaffneten Aufstand. Die Revolutionäre stürmten das Zeitungsviertel und besetzten die Redaktion der SPD-Zeitung “Vorwärts”, das Sprachrohr der sozialdemokratischen Konterrevolutionäre.

Über die bewaffneten Kämpfe, die vom 5. bis 12. Januar 1919 andauerten, wird von der “Rathenower Zeitung” am 10. Januar im Rückblick berichtet.
Unter “Die Kämpfe am Mittwoch” heißt es, daß die Spartakusleute ein Geschütz in der Dorotheenstraße in Stellung gebracht hätten. Die Gegend der Marschallbrücke sei mit Maschinengewehren bestrichen worden. Auch an der Ecke Dorotheenstraße gab es lebhafte Schießerei. Ein besonders heftiger Kugelwechsel fand zwischen der Luisenstraße und dem Schiffbauerdamm statt. Den Mittelpunkt einer langandauernden Schießerei bildete die Ecke Kochstraße-Ullsteinisches Verlagshaus. Es gab Tote und Verwundete. Die “Tägliche Rundschau” wird zitiert: “Immer und immer wieder versuchten die revolutionären Arbeiter den Durchbruch zur Reichskanzlei zu erzwingen.”
Die “Rathenower Zeitung” bringt mittlerweile Vokabeln wie “bolschewistische Truppen” (gemeint ist Spartakus) ins Spiel und behauptet, “russische Truppen” würden zugunsten Spartakus eingreifen!

Am Sonnabend, dem 11. Januar 1919, gibt es Siegesmeldungen der Konterrevolution: “Eichhorn angeblich geflohen: Die USPD hat Polizeipräsident Eichhorn gestern dringend angehalten, von seinem Amt freiwillig zurückzutreten, um weiteres Blutvergießen zu vermeiden.” Die “Neue Zeit” “hörte, daß Eichorn nach Dänemark entflohen sei”, so wird zitiert. “Sieg der Regierungstruppen in Spandau: Der Angriff auf das Rathaus, der heute früh 7 Uhr mit einem kurzen Bombardement eröffnet wurde, war von den darin hausenden Bolschewisten geahnt. Zu ihrer Unterstützung waren von außerhalb zahlreiche Matrosen, oder wenigstens Subjekte in Matrosenuniform, eingetroffen, die sich mit ihnen im Rathaus einnisteten. Kurz nach 7 Uhr begann die Beschießung des Rathauses. Nach 8 Uhr wurde das Rathaus gestürmt und durchsucht. … Einzelkämpfe im Rathaus … Besatzung gefangengenommen. Einer der Führer der Bolschewisten, der Gärtnereibesitzer Pieser, wurde auf dem Posthof standrechtlich erschossen, während der erste Vorsitzende des Soldatenrates, von Lesewski, zunächst gefangen mitgeführt wurde.” Die Kämpfe hätten 6 Tote gefordert.

Über die revolutionären Kämpfe in anderen Regionen Deutschlands wird gemeldet: “Vor dem Generalstreik im Ruhrrevier: Elberfeld, 10. Januar: (Bei der) … Versammlung von Spartakusanhängern wurde beschlossen, den Generalstreik im ganzen Ruhrkohlengebiet zu proklamieren, um dadurch die Regierung Ebert-Scheidemann zum Rücktritt zu zwingen.” “Blutige Zusammenstöße in Düsseldorf”: Gewehrfeuer, sogar Maschinengewehre würden von Spartakus eingesetzt. Es gäbe Verletzte. “Die Stadt Düsseldorf wird zur Zeit von der Spartakusgruppe beherrscht.” “Blutvergießen in Dresden”: Es habe 20 bis 30 Tote gegeben. “Der Anstifter des ganzen Unheils, der ‘sächsische Liebknecht’ Mühle, ist endlich verhaftet worden. Die Kommunisten hatten ein Flugblatt losgelassen, worin sie dazu auffordern, die Nationalwahl zu verhindern. Mühle wurde verhaftet, außerdem noch einige andere Kommunistenhäuptlinge.”

Am 15. Januar, als der Januaraufstand Spartakus’ abgewürgt war, tobte der weiße Mob durch die Hauptstadt. Schon zuvor hatten sie plakatiert: „Schlagt ihre Führer tot! Tötet Liebknecht, tötet Luxemburg!” Nun hatten sich brave Bürger gefunden, die sie denunzierten und den Konterrevolutionären auslieferten. Und die brachten sie um. Die Vorgänge und die Täter sind lange bekannt, aber die Parteinahme der “Rathenower Zeitung” für die Mörder und die Verfälschung der Tatsachen sind schon lesenswert.

Zwei Tage nach den Morden, am 17. Januar 1919, schreibt die Zeitung: “Karl Liebknecht auf der Flucht erschossen, Rosa Luxemburg von der empörten Menge gelyncht”: Sie wurden “durch Militärpersonen verhaftet. … Er und Rosa Luxemburg wurden … zum Edenhotel am Zoologischen Garten, in dem sich das Militärkommando befindet, gebracht. … Bei dem Transport nach Moabit machte Liebknecht einen Fluchtversuch und wurde dabei erschossen. Rosa Luxemburg wurde in dem Augenblick, wo sie das Edenhotel unter Bewachung verließ, von der Menge geschlagen und auf der Weiterfahrt von einem unbekannten Mann durch einen Schuß getötet.” Dann greift man auf die Agenturmeldung des W.-Telegrafen-Büros zurück: “Die Menge erkannte die Gefangene …, riß sie aus dem Wagen heraus und mißhandelte sie fürchterlich. Es war nicht möglich, ihr Hilfe zu bringen. Es heißt, sie sei erschossen worden. Der Wagen, in dem die Luxemburg transportiert wurde, wurde leer am Kanal aufgefunden.Von dem Verbleib der Leiche hat man keine Kenntnis.”

Nun konnte bürgerliche Demokratie gespielt werden. Es wurde gewählt.

Der Ausgang der Wahlen zur Nationalversammlung am 19. Januar 1919, an denen sich die KPD von vornherein nicht beteiligte, war ein Ergebnis der Mord- und Boykotthetze gegen die Linken, die “Spartakisten”, die “Bolschwisten”. Der brave Bürger ließ sich von der Ebert-Scheidemann-Parole und der Noske-Praxis (der erklärtermaßen den “Bluthund” spielte) leiten: “Ruhe ist die erste Bürgerpflicht”. Man wählte die “gemäßigten Mehrheitssozialisten”, die SPD.

Die antifaschistisch-demokratische Umwälzung im Osten Deutschlands nach 1945

Eine notwendige Vorbemerkung: Die bürgerlich-demokratischen Revolution von 1848/49 war gescheitert. Die Novemberrevolution 1918/19 war im Versuch, die unvollendete Revolution 1848/49 zum Erfolg zu führen, in der sozialdemokratischen Verkündung der Republik stecken geblieben. Die Versuche der revolutionären Linken, sie über die Berliner Januarkämpfe 1919, mit der Roten Ruhrarmee, mit den Arbeiterregierungen in Sachsen und Thüringen und mit dem Hamburger Aufstand als sozialistische Revolution fortzuführen, waren nach den erbitterten Kämpfen schließlich im Herbst 1923 erstickt.

1945 war eine völlig neue Situation entstanden. Zwölf Jahre zuvor hatte die herrschende Klasse sich zwecks Machterhalt mit den Hitlerfaschisten zusammengetan, denen unumschränkte Befugnisse übertragen und gerade unter den Bedingungen der Terrorherrschaft Maximalprofite eingefahren. Den ihnen beim Werben um die Unterstützung des Großkapitals durch Hitler persönlich angekündigten Krieg zur Neuaufteilung der Welt billigten die Finanz- und Industriekapitalisten, brachte er doch besonders in der Rüstungsindustrie Höchstgewinne. Nun aber war der II. Weltkrieg mit der vernichtenden eigenen Niederlage beendet, die Sowjetunion und ihre westlichen Alliierten hatten das „Dritte Reich“ niedergerungen, Europa und Deutschland vom Faschismus befreit.

Deutschland lag am Boden. Das Militär vernichtet, die Bevölkerung ausgeblutet, die Betriebe und Verkehrswege zerstört, die Städte verwüstet, die Landwirtschaft verödet. Die kapitalistische Klasse war zutiefst diskreditiert.

Wer überlebt hatte, erkannte spät seine Mitläuferschaft oder Mittäterschaft. Die Menschen waren angesichts des Grauens, das Deutsche in der Welt angerichtet hatten, bereit zu gesellschaftlichen Veränderungen: Zuerst „Nie wieder Krieg!“, bald auch „Nie wieder Faschismus!“ Die Minderheit derer, die dem Nazismus Widerstand geleistet hatten, mußte nun die Führungsrolle übernehmen. Die sowjetische Besatzungsmacht – Vertreter eines sozialistischen Landes – gab ihnen Handlungsspielraum und Unterstützung.
Das fand in den westlichen Besatzungszonen nicht statt. Die Klasseninteressen der US-Amerikaner, der Briten und der Franzosen – Vertreter kapitalistischer Länder – setzten andere Prioritäten. Sie tasteten die kapitalistische Gesellschaftsordnung nicht an.

Die antifaschistisch-demokratische Umwälzung – also Revolution – wurde mit Reformen vollzogen:

  • Die demokratische Bodenreform: Enteignung des Großgrundbesitzes. „Junkerland in Bauernhand“;
  • Die demokratische Schulreform: Brechung des Bildungsmonopols, Chancengleichheit für Arbeiterkinder und die Landjugend, demokratische Einheitsschule;
  • Die Enteignung der Nazi- und Kriegsverbrecher: Entmachtung des Großkapitals, Schaffung eines nichtkapitalistischen Sektors in der Industrie;
  • Die demokratische Verwaltungsreform: Schaffung demokratischer Strukturen in einer volksnahen staatlichen und kommunalen Verwaltung;
  • Die demokratische Justizreform: Zerschlagung der Nazijustiz, demokratische Erneuerung der Rechtsstruktur, Aufbau einer Volksjustiz.

Im Folgenden werden die Anfänge der antifaschistisch-demokratischen Umwälzung in unserer Region dargestellt.
(Auszüge aus der Broschüre „Verfolgung, Widerstand, Befreiung, Neuanfang“, erschienen 2005 zum 60. Jahrestag der Befreiung)

Der schwere Neuanfang

Nach der Befreiung herrschte Besatzungsrecht, das heißt die sowjetische Kommandantur in Rathenow (in der jetzigen Rotbuchenallee) übernahm auf der Basis von Befehlen der Sowjetischen Militäradministration in Berlin – eingebunden im Alliierten Kontrollrat – die Verwaltungsfunktionen. Der erste Stadtkommandant, Oberstleutnant Slepzow, setzte Deutsche ein, die das Vertrauen der Besatzungsmacht hatten: Karl Gehrmann, der Mitbegründer der KPD 1918/19, wurde zum Landrat für das Westhavelland ernannt, Arthur Neumann (KPD) war zunächst sein Stellvertreter und wurde dann von Paul Szillat (SPD) abgelöst. Neumann war Bürgermeister von Rathenow, bis Szillat diese Aufgabe als Oberbürgermeister übernahm. Die Deutschen in den Verwaltungen setzten die Befehle der Sowjetischen Militäradministration in Deutschland (SMAD) mit Verordnungen um. (*46)

Verordnung Nr. 1 der Stadt- und Landverwaltung Rathenow vom 10. Mai 1945:

  1. Aufrechterhaltung der Ordnung und normaler Lebensbedingungen der Bevölkerung
  2. Organisation der Lebensmittelverteilung, des Handels und der Wohnungsfrage
  3. Gründung von Krankenhäusern zur Betreuung der Stadtbewohner und aller anderen bevölkerten Orte
  4. Wiederherstellung der kommunalen Wirtschaft und gewerblicher Betriebe … (*47)

Angesichts der samt ihrer Infrastruktur weitgehend zerstörten Stadt, der Not der Bevölkerung und des Mangels an Lebensmitteln und allem Notwendigen eine schier unlösbare Aufgabenstel-lung. Aufbau- und Verkehrsaufgaben erhielt Willi Wagner (parteilos). Die Sicherung der Brennstoffversorgung übernahmen die Kohlenhändler Schwarz und Fürstenberg (beide parteilos). (*48)

Die eingesetzten Verwaltungen bestanden aus Kommunisten, Sozialdemokraten und Partei-losen, die nicht mit den Nazis zusammengearbeitet hatten. Sie mußten die Wasser-, Strom- und Lebensmittelversorgung organisieren, die Trümmer von den Straßen räumen lassen und Unterkünfte für die Bevölkerung beschaffen: Von 2.435 Häusern waren 65 % unbewohnbar; die Rathenower Bevölkerung zählte mit den zusätzlichen Flüchtlingen über 40.000 Personen. Außerdem mußte die Ordnung wiederhergestellt werden, und dafür brauchte man vertrauens-würdige neue Polizisten anstelle der Nazipolizei. Die Betriebe mußten zur Produktions-aufnahme hergerichtet werden. Die Bekämpfung von Seuchen und Massenimpfungen gegen Ruhr und Typhus waren dringend. Kulturelle Aufgaben von der Wiederaufnahme des Schulunterrichts (ab 1. Oktober 1945 wurde wieder unterrichtet) bis hin zu Veranstaltungen waren wichtig. (*49)

Die von der sowjetischen Kommandantur mit Kommandant Slepzow und seinem Stab (Politoffizier Chodakowski, Kultur- und Schuloffizier Oberleutnant Leyner) eingesetzten Deutschen leisteten ihre schwere Arbeit bis zur ersten Kommunalwahl im Frühjahr 1946 (*50) Man nannte sie später „Aktivisten der ersten Stunde”. Die „mutigen Menschen, die vor der Macht des Faschismus nicht zurückschreckten” (Freimuth) und die lebend das terroristische „Dritte Reich” überstanden hatten, wirkten für die neue Gesellschaft, die nach dem verbrecherischen Hitlerregime geschaffen werden mußte. Darin bestand auch in der Bevölkerung wachsende Übereinstimmung.

Rathenower Antifaschisten – „Aktivisten der ersten Stunde“ (Aufn. 1958)

Die ersten Maßnahmen galten der Linderung der Not. Es herrschten Hunger und Obdachlosigkeit, die Solidarität der einfachen Menschen mußte erst wiedererweckt werden. Idealistischer Einsatz für materielle Sicherungen war nötig. Der kam selbstverständlich von denen, die aktiv die Nazis bekämpft hatten, aber auch von den desillusionierten Menschen, die den Nazis gefolgt waren und nun wiedergutmachen wollten.

Gemeinsam mit der Kommandantur erreichte die Stadt- und Landverwaltung Rathenow, daß unmittelbar nach dem Ende der Kämpfe erste Lebensmittelrationen ausgegeben wurden. Die Bäcker – wie zum Beispiel Schwarzlose in der Kleinen Hagenstraße – hatten von der Kommandantur Mehl erhalten. Nun gab es Brot: 200 Gramm pro Kopf und Tag. Natürlich „zum Leben zuwenig, zum Sterben zuviel”. Jeder sucht nach Eßbarem, auch unter den Trümmern und in den verlassenen Häusern und Wohnungen, da die Geflüchteten erst langsam zurückkamen. Manche hatten im Heeresverpflegungsamt (im Norden der Stadt) bei den Plünderungen Lebensmittel erbeutet, mancherorts (z.B. in Stechow) waren vor der nahenden Front noch Vorräte (Schmalzfleischkonserven) verteilt worden. Die meisten Menschen hungerten. Eine tiefe Depression breitete sich aus. Kriminalität – Stehlen zum Lebenserhalt – war normal. Wie konnte das Leben weitergehen?

Ende Mai/Anfang Juni verbreitete sich durch Mundpropaganda (oder war es ein öffentlicher Aushang?) die Nachricht, daß es eine Filmvorführung gibt. Der Kulturoffizier hatte im einzig verbliebenen Kino „Bellevue“ einen Projektor in den Mittelgang stellen lassen. Durch das zerschossene Dach kam Sonnenlicht, die Leinwand ließ nur wenig erkennen. Es war Nachmittag, denn abends war Sperrstunde, also Ausgehverbot. Die Soldaten spielten eine Filmrolle ab, danach kam die Pause zum Wechsel. Der Film war natürlich in russischer Sprache, die die paar Dutzend Kinogänger – meist Jugendliche und Kinder – nicht verstanden. Aber die Handlung war schrecklich und verständlich genug. Es ging um Kampf und Tod der sowjetischen Partisanin Soja Kosmodemjanskaja, die im ersten Kriegsjahr gefangen, gefoltert und öffentlich erhängt wurde. Ein gezielt eingesetzter Film, der tiefe Folgen hatte: Von Zurückweisung als Propaganda bis zur entsetzten Frage „Das haben deutsche Soldaten getan?“.

Besonders die Jugendlichen waren nach dem Verlust ihrer Nazi-”Ideale” entwurzelt, sie brauchten Hoffnung und Ziele. Das war die Aufgabe der sich formierenden antifaschistischen Parteien, die im Juni 1945 zugelassen wurden.

Jugendarbeit

Die KPD Rathenow beauftragte mit Genehmigung des damaligen sowjetischen Stadtkommandanten Katsch Martin Krüger und Willi Osterburg mit der Bildung eines antifaschistischen Jugendausschusses. Am 20. Oktober 1945 fand ein erstes Jugendtreffen im Heim der Jahnschule mit 85 Jugendlichen statt. Beim zweiten Heimabend wurde dann der Jugendausschuß vorgestellt, dem Mitglieder der KPD, der SPD und der CDU (ebenfalls inzwischen zugelassen) angehörten. Ältere Genossen der beiden Arbeiterparteien unterstützten die Jugendarbeit und arbeiteten mit: Fritz und Willi Wendt, Erich Giese, Ella Peters, Herbert Döblin, Gustav Wieprecht jun., Otto Früngel und andere; auch Hausmeister Paul Ziem war aktiv. Als erste Aufgaben übernahmen die Jugendlichen Ernteeinsätze zur restlosen Einbringung der Kartoffel- und Hackfruchternte als Voraussetzung für die Bekämpfung des Hungers. Sie enttrümmerten in der Ruinenlandschaft Rathenows, sie schlugen Holz zur Brennstoffversorgung ein und halfen beim Bahn- und Brückenbau, die Zerstörungen zu beseitigen. Dem Jugendausschuß gelang es, 300 Jugendliche in den Betrieben und Verwaltungen in Arbeit zu bringen. Er regte an, die Kinderspeisung zu organisieren und übernahm deren Betreuung im Waisenheim Schleusenstraße. Das war ein Teil der Aktion „Rettet das Kind!”, und in diesem Sinne begann der Jugendausschuß seine Arbeit – gemeinsam mit den antifaschistischen Parteien, dem gerade entstandenen Frauenausschuß, den Ausschüssen der Arbeiterwohlfahrt und den Komitees der Opfer des Faschismus. In sieben Weihnachtsveranstaltungen, die im Saal von Nitsche&Günther (dem späteren Speisesaal des VEB ROW) stattfanden, wurden 7.500 Kinder bis 14 Jahre mit selbstgebackenen Honigkuchen aus selbst gekochtem Zuckerrübensirup, mit Spielzeug und Kleidungsstücken beschert. Die Antifa-Jugend gestaltete die Feier mit Liedern, dem Märchen „Hänsel und Gretel”, Volkstänzen und einem Puppentanz zu einem Erlebnis für die Kinder.

Zu den aktivsten Jugendlichen gehörten damals Ilse Alex, Helga Krüger, Helga Kellermann, Gisela Kleve, Manfred Huck, Horst Kleinstäuber, Walter Dobberkau, Helga Braekow, Inge und Waltraud Piorkowski, Manfred Schwarzer und andere. Um die Gewinnung von Neulehrern bemühte sich besonders Werner Früngel. Die Abteilung Volksbildung der Stadtverwaltung unter Stadtrat Otto Weber, einem kommunistischen Widerstandskämpfer, hatte am 20. August 1945 mit der Bekanntmachung Nr. 11 die Lehrerwerbung eingeleitet. Die Antifa-Jugend warb besonders unter den jugendlichen Kriegsheimkehrern, die zum großen Teil nicht einmal einen Beruf erlernt hatten, deren Elan aber erweckt war. Sie sollten die Nazilehrer ersetzen, die nicht durch die Ent-nazifizierungskommissionen entlastet wurden. Es waren gewaltige Aufgaben, mit denen sich die bewußten Jugendlichen konfrontiert sahen. Sie bewältigten sie mit der wachsenden Erfahrung, nicht alles, aber viel mehr leisten zu können, als sie sich jemals zugetraut hatten.

Aus der Antifa-Jugend entwickelte sich Anfang 1946 die Freie Deutsche Jugend, die dann auch Träger des Sports wurde. Die FDJ erwarb das Wassersportheim, das sich im Verfall befand, und baute es als Sportheim und Jugendherberge aus.1946 bauten die Jugendlichen im Gebäude der Emil Busch AG (Bergstraße Ecke Fabrikenstraße) Räume im Erdgeschoß zum Jugendheim um, in dem in einem Saal und Nebenräumen alle Veranstaltungen der beiden FDJ-Ortsgruppen Nord und Süd stattfanden. Erster FDJ-Kreisvorsitzender war Willi Osterburg. (*51)

Die untere Etage wurde das Rathenower Jugendheim der FDJ. In Neue Schleuse erhielt Ernst Meier den Auftrag zur Organisierung der Jugendarbeit. Dort wurde Ende 1945 mit etwa 30 bis dahin schon aktiven Jugendlichen als organisatorische Form der Antifa-Jugendausschuß gegründet. Auch hier entstand aus diesen Anfängen die FDJ, die ihrerseits 1946/47 Träger der Sportgemeinschaft Neue Schleuse wurde.

Frauenarbeit

Niemand trägt die Lasten eines Krieges schwerer als die Frauen. Sie standen 1945 allein mit ihren Kindern. Die Männer waren gefallen oder in Gefangenschaft. Auf ihnen lastete die Sorge ums Überleben der Familien. Sie brauchten Zuspruch und Hilfe.

In Rathenow wurden Gertrud Grothe, Anna Götsch und Gertrud Klicks von der KPD beauftragt, einen antifaschistischen kommunalen Frauenausschuß zu gründen. Emma Sydow, vor 1933 Landtagsabgeordnete, unterstützte sie trotz ihres hohen Alters. Anna Götsch betrachtete die Aufgabe ganz praktisch, nämlich als Organisation solidarischer Hilfe. Sie richtete in einem Gebäude der Emil Busch AG eine Nähstube ein. 40 bis 50 Frauen halfen ehrenamtlich – also ohne Bezahlung – in der Nähstube oder zu Hause an der eigenen Maschine. Die Kommandantur stellte einen großen Posten Wehrmachtsuniformen zur Verfügung. Die Frauen arbeiteten sie um zu Kinderbekleidung, Mänteln, Joppen usw. für 400 Kinder, die damit zu den erwähnten Weihnachtsfeiern beschert wurden. Eine Umsiedlerin zeigte den Frauen das Verfahren zur Herstellung von Strohschuhen, die dann für Bedürftige angefertigt wurden. Wanda Bradler und Gertrud Klicks arbeiteten in der Stadtverwaltung beim Wohnungswesen mit, um die Obdachlosigkeit zu beseitigen. (*52)

Franz Archuth organisierte 1945 in Neue Schleuse die Bildung des antifaschistisch-demokratischen Frauenausschusses. Innerhalb weniger Wochen fanden sich 60 bis 70 Frauen als Mitglieder. Anna Gehrmann und Frida Bahlow organisierten die Frauenarbeit auf dem Lande. Liesel Kurth unterstützte sie. Später ging aus den Frauenausschüssen der Demokratische Frauenbund Deutschlands hervor.

Die Bodenreform

Die landwirtschaftliche Struktur des Havellandes war bis 1945 geprägt durch den Großgrundbesitz zumeist adliger Gutsbesitzer, der „ostelbischen Junker“, und den alt-eingesessenen Großbauern. Sie bewirtschafteten den überwiegenden Teil der landwirt-schaftlichen Nutzfläche des Kreises. Es gab wenige Großbauern (mit über 100 ha Grundbesitz), aber überall auch Landwirte mit Klein- und Kleinstbetrieben. Die Saat war im letzten Kriegsjahr zwar noch ausgebracht worden, war aber teilweise vernichtet durch den Vormarsch der sowjetischen Truppen, durch die Gefechte und die fliehenden Wehrmachtseinheiten. Vor der herannahenden Front der Roten Armee flohen die meisten Gutsbesitzer in ganzen Wagenkolonnen mit Wertgegenständen, Kleidung bis hin zu teuren Möbeln. Zurück ließen sie ihre Verwalter oder Inspektoren mit der Verantwortung für das verbliebene gutsherrliche Eigentum. Grund für die Flucht war die Angst, als Parteigänger oder Nutznießer der Nazis unter einer zu erwartenden kommunistischen Besatzung zur Verantwortung gezogen zu werden. Nun stand die Ernte auf dem Halm, und die Bevölkerung hungerte. Es gab also viele Gründe, schnell und wirksam zu handeln.

Am 3. September 1945 wurde der Aufruf zur Bodenreform in der Provinz Brandenburg veröffentlicht, am 6. September erließ die Provinzialverwaltung die Verordnung dazu. Eine historische Aufgabe stand bevor: „Junkerland in Bauernhand!” Zwei Fakten machten das Vorhaben dringend: Die Großgrundbesitzer hatten mit Sack und Pack ihre Besitztümer verlassen, die Verantwortung zum Handeln war den verbliebenen Landarbeitern und auswärtigen Helfern zu übertragen. Zum Zweiten waren Millionen Flüchtlinge und in zweiter Welle Ausgesiedelte aus den östlichen Reichsgebieten sowie aus der Tschechoslowakei ins Land geströmt, die weder Bleibe noch Arbeit hatten, zum großen Teil aber Bauern und Landarbeiter waren. Sie und die landlosen oder landarmen Bauern und Tagelöhner der sowjetischen Besatzungszone sollten Land erhalten, sich selbst und die Stadtbevölkerung ernähren. Die beiden Arbeiterparteien hatten eine Bodenreform immer in ihrem Programm; jetzt konnte sie umgesetzt werden und damit das Bündnis mit den werktätigen Bauern gefestigt werden. (In den Westzonen gab es ebenfalls den Ansatz zu einer entsprechenden Bodenreform, die aber am Widerstand der Besatzungsmächte und der erstarkenden bürgerlichen Parteien scheiterte.)

Im Kreis Rathenow-Westhavelland wurden durch die gebildeten Bodenreformkommissionen 107 Großgrundbesitzer enteignet und damit 23.428 ha Boden überführt. Es wurden in den Dörfern 1.323 Neubauernwirtschaften sowie 3 Volksgüter (für Saatzuchtproduktion) geschaffen. Dazu kamen etwa 1000 Kleinstbetriebe mit Parzellen bis 0,5 ha, also mehr für gärtnerische Bewirtschaftung. 400 landarme Bauern erhielten zusätzliches Land. 523 Umsiedler bekamen insgesamt 5.153 ha und dazu ein Grundstück zum Bau eines Gehöftes. Damit wurden Existenzmöglichkeiten für heimatlos gewordene Pommern, Schlesier, Ostpreußen, Sudetendeutsche, Bessarabier und andere geschaffen, um sie sofort zu integrieren. Der Anfang war trotzdem schwer genug – zunächst ohne Vieh, Maschinen oder Werkzeuge. (Laut Stadtchronik betrug der Viehbestand am 1.1.1946: 112 Pferde, 91 Stück Rindvieh, 27 Schweine, 24 Schafe, 21 Ziegen, 217 Stück Hausgeflügel.) (*53) Damit konnte die Bevölkerung nicht ernährt werden. Es herrschte Mangel an Vieh, da es zum Teil einfach aufgegessen wurde, zu einem anderen Teil als Reparationen beschlagnahmt und in die Sowjetunion transportiert wurde. Die Vereinigung der gegenseitigen Bauernhilfe (VdgB) mußte über die größten Schwierigkeiten hinweghelfen.

Industrieeler Neuanfang

Die Sowjetische Militäradministration in Deutschland (SMAD) erließ grundlegende Befehle zur Beschlagnahme des Eigentums des faschistischen Staates und der Naziaktivisten und Kriegsverbrecher. Das betraf vor allem die Rüstungsbetriebe und die Schlüsselindustrie. In Sachsen wurde 1946 durch Volksentscheid die endgültige Enteignung der Nazi- und Kriegsverbrecher legalisiert, das Ergebnis wurde in den anderen ostdeutschen Ländern übernommen. In den Kreis- und Stadtverwaltungen wurden Sequesterkommissionen gebildet, die von der SMAD kontrollierte wurden. (Sequester: Behördlich einstweilen eingesetzter Besitzer, Verwahrer oder Verwalter einer Sache. )

Die wirtschaftlichen Machtpositionen der den Hitlerstaat stützenden und durch den II. Weltkrieg Maximalprofite erzielenden Konzerne und Großbetriebe wurden auch in Rathenow und dem Havelland gebrochen: Die Rüstungsbetriebe IG Farben – Werk Premnitz, ARADO-Flugzeugwerke Heidefeld, Emil Busch AG Rathenow, Nitzsche & Günther Rathenow, Firma Baumgart Mögelin und andere. Die SMAD übergab das sequestierte Eigentum – mit Ausnahme der zur Demontage (für Reparationen) vorgesehenen Betriebe wie die Emil Busch AG – in die Hände der kommunalen Verwaltungen, die es als Treuhänder übernahmen.

Die Arbeiter begannen selbständig und zunächst ohne Lohn, die zerstörten Rathenower Betriebe nach brauchbaren oder reparaturfähigen Maschinen abzusuchen. Sie setzten die Fertigung einfacher Bedarfsartikel für die Bevölkerung in Gang. In den unzerstörten Fabriken stellten die Arbeiter die bisherige Rüstungsproduktion auf zivile Güter um. Das Landratsamt und die Stadtverwaltung (Sequester) beauftragten zuverlässige Leute mit der Leitung der Produktionsvorbereitungen, so z.B. die Genossen Scharnbeck und Gansow im Heidefelder Betrieb des Naziaktivisten Baumgart, wo dann statt Rüstungsgütern Lampen, elektrische Geräte, Schraubstöcke, Kugellager, Holzbearbeitungsmaschinen und Drehmaschinen für kommunale Betriebe und den Handel gefertigt wurden.

Nach einem halben Jahr Enttrümmern, Aufräumungsarbeiten und Herrichten von Maschinen produzierte auch der Rathenower optische Betrieb Nitzsche & Günther (später ROW) wieder. Begonnen hatten nach dem Aufruf der Stadtverwaltung elf Männer und eine Frau mit dem ersten Arbeitseinsatz. Immer weitere kamen dazu (im November 38, Dezember schon 51 Menschen), so daß die Belegschaft Anfang März 1946 bereits 85 Beschäftigte zählte. Damit wurde aber die Massenarbeitslosigkeit nur geringfügig abgebaut; erst mit dem Aufbau und der Erweiterung anderer Betriebe in Rathenow und dem Westhavelland wurde (etwa um 1950) Vollbeschäftigung erreicht. Zu den „Aktivistinnen der ersten Stunde” in den ROW gehörten die Kolleginnen Kemnitz und Jachmann. Die Produktion umfaßte anfangs Brillenfassungen und -gläser, später Trichinenmikroskope, Kinoprojektionsobjektive, Spaltbildoptiken und Taschenaugenspiegel. Im Dezember 1945 konnte durch den Erlös der Produktion erstmals Lohn in Höhe von 0,60 bis 0,70 Reichsmark pro Stunde gezahlt werden.

Im Oktober 1945 ging in Premnitz die Kunstseidenanlage wieder in Betrieb. Die Aktivkohle-Anlage nahm zum gleichen Zeitpunkt in bescheidenem Umfang die Produktion von Medizinal- und Industriekohle auf. Im Sommer 1946 konnte auch die Schwefelkohlenstoff-Anlage behelfsmäßig in Betrieb genommen werden. (*54)

Die Beispiele mögen genügen. Zu den aktiv im Aufbau nach dem Krieg Engagierten gehören unter anderen Gertrud Klicks, Arthur Bey, Karl Köpke, Paul Grade, Paul Hebs, Arthur Neumann, Franz Archuth, Paul Herold, Dietrich Wagschal, Gustav Wieprecht, August Zielske und Karl Gehrmann. Diese Liste ist unvollständig.

In Freiheit uneins – im KZ vereint – Lehren und Konsequenzen aus Niederlage und Leid

Kommunisten und Sozialdemokraten saßen unter dem faschistischen Terror gemeinsam in Konzentrationslagern und Zuchthäusern. Sie, die – zuvor förmlich verfeindet – die Machtübernahme durch die Nazis nicht verhindern konnten, wurden gemeinsam deren Opfer. Was hatten sie sich gegenseitig vorzuwerfen?

Die Kommunisten warfen den Sozialdemokraten die Burgfriedenspolitik der SPD mit den Herrschenden unter dem Kaiser sowohl vor als auch im I. Weltkrieg vor. Sie verziehen ihnen nicht, die Novemberrevolution verraten und blutig abgewürgt zu haben. Sie warfen ihnen vor, den revolutionären Weg der SPD verlassen zu haben und den parlamentarischen Kampf („mit dem Stimmzettel”) als einzige Lösung zu verfolgen. Sie prangerten den Revisionismus und Opportunismus der SPD-Führung und die Unterstützung der Wahl Hindenburgs zum Reichspräsidenten an, der als Steigbügelhalter Hitlers galt. Sie nahmen der SPD übel, nicht in letzter Stunde in Aktionseinheit mit der KPD den Faschismus verhindert zu haben.

Die Sozialdemokraten warfen den Kommunisten vor, aus der inneren Zerrissenheit der SPD mit der Spartakusgruppe/Spartakusbund die Führung der Parteilinken übernommen zu haben, sich organisatorisch aus der Partei gelöst zu haben und später große Teile der USPD in die KPD gezogen zu haben. Sie erhoben den Vorwurf, nur auf die Revolution zu setzen und den parlamentarischen Kampf zuerst abgelehnt und später vernachlässigt zu haben. Sie prangerten an, daß die KPD sich nicht nach den „demokratischen Spielregeln” verhielt und revolutionäre Gewalt vorzog, z.B. bei den Kämpfen der Novemberrevolution 1918/19 und in der revolutionären Nachkriegskrise bis 1923. Sie warfen ihnen vor, das Rätesystem (=Sowjets) nach russischem Muster in Deutschland anzustreben, entgegen nationalen Traditionen. Sie verziehen ihnen nicht, daß sie die SPD als Arbeiterverräter und sogar als Sozialfaschisten beschimpften.

Hinter den Gittern entstand in der Notgemeinschaft der Geprügelten und Gedemütigten die Erkenntnis, daß – wenn man da jemals wieder herauskäme – die Kräfte der Arbeiterklasse gemeinsam kämpfen müßten, um eine Wiederholung unmöglich zu machen. Gemeinsames Handeln in Aktionseinheit von Mitgliedern der KPD und der SPD gab es bereits in antifaschistischen Widerstandsgruppen. Den Schritt zu einer einheitlichen Partei als Lehre und Konsequenz zu gehen, war mutig. Die Rathenower Kommunisten und Sozialdemokraten beschritten den Weg zunächst als Auseinandersetzung mit der eigenen jüngsten Vergangenheit im Sinne auch des Buchenwaldschwurs der Überlebenden „Nie wieder Faschismus! Nie wieder Krieg!“ Zunächst in ihren eigenen, dann in gemeinsamen Mitgliederversammlungen. Die erste gemeinsame fand – nach vielen Beratungen und Konferenzen aller Ebenen – in Rathenow am 7. März 1946 im Speiseraum von Nitzsche & Günther (den späteren ROW) statt. Sie bahnte den letzten Schritt zur Vereinigung an.
Im gesamten Kreis Westhavelland vereinten sich zur gleichen Zeit 74 Ortsgruppen der KPD (1.824 Mitglieder) mit 47 Ortsgruppen der SPD (1.330 Mitglieder).

Am 24. März 1946 wurde die Vereinigung auf Kreisebene in einer Kreisdelegiertenkonferenz im Kino „Bellevue” vor dem Haveltor vollzogen. Paritätische Vorsitzende wurden Otto Seeger (KPD) aus Plaue bei Brandenburg und Kurt Bradler (SPD).

Die Vereinigung beider Parteien vollzog sich von unten nach oben und fand ihren Abschluß im Vereinigungsparteitag vom 21./22. April 1946 in Berlin. (*55)

Der historisch notwendige und richtige Schritt der Bündelung aller sozialistischen Kräfte ergab gute Voraussetzungen für eine demokratische, später sozialistische Gesellschaftsentwicklung. Wie sie genutzt wurde und woran sie scheiterte, haben wir früheren SED-Mitglieder zu verantworten.

Im Folgenden wird versucht, vom Ende her Gründe für das Scheitern zu benennen. „Solch ein Gewimmel möcht’ ich sehn: Auf freiem Grund mit freiem Volke stehn!”

Die realsozialistische Vision ist gescheitert. Die da mit so viel Mut und Einsatz bis zur Selbstaufgabe für das Ziel einer ausbeutungsfreien Gesellschaft antraten, fanden zuviel Widerstände. Der erbitterte Kampf gegen das Neue im Osten wurde natürlich von den entmachteten Klassenkräften und ihren Anhängern im Innern und den immer noch herrschenden Klassenkräften und ihren Eliten am Rhein geführt. Aber auch Schumachers SPD-Gefolgsleute kämpften mit allen Mitteln z. B. gegen die Vereinigung der beiden Arbeiterparteien. Dazu kam die Konsolidierung stalinistischer Politikmethoden in der SED gegen Ende der 40er Jahre als (auf Dauer untaugliche) Antwort auf den von Churchill in den USA proklamierten Kalten Krieg („Fulton-Rede“ vom 5. März 1946; 1950 modifiziert in der Truman-Doktrin vom „roll back“ des Kommunismus.) Dieser internationale Klassenkampf wurde durch die Bundesregierung verschärft, indem Adenauer z.B. im „Rheinischen Merkur“ vom 20. Juni 1952 verkündete: „Es gibt nur ein Deutschland, das Deutsche Bundesrepublik heißt, und was östlich der Elbe und Werra liegt, sind unerlöste Provinzen. Die Aufgabe … (heißt) … nicht Wiedervereinigung … sondern Befreiung des Verlorenen.“ Der in Westberlin gebildete „Forschungsbeirat für Fragen der Wiedervereinigung Deutschlands“ hatte bereits im März 1952 ein „Sofortprogramm für Überleitungsmaßnahmen im Fall der Machtergreifung in der sowjetischen Zone“ vorgelegt. Das war eine reale Gefahrensituation.

Zur Abwehr äußerer und innerer Feinde benötigte die junge DDR Militär und Geheimdienst, doch bald schon wurde aus berechtigter Wachsamkeit verletzendes Mißtrauen. Jede politische oder ökonomische Niederlage – und dafür sorgten außer den eigenen Fehlern und Fehlentscheidungen die westdeutschen Kapitalisten und ihre radikal antikommunistischen Regierungen bis zum Niedergang der DDR – wurde mit der Verschärfung der Maßnahmen zur Staatssicherheit beantwortet. Daher gelang es der SED – der den Staat dominierenden Partei – zunehmend weniger, das Arbeitermilieu zu integrieren, also in das sozialistische Experiment wahrhaft einzubeziehen. Wandlungsprozesse gab es nur partiell oder an der Oberfläche. Die Enttäuschung der einst begeistert in eine neue Gesellschaft Aufgebrochenen nahm zu. Die Rationalität wirtschaftlicher Planung – Voraussetzung der im letzten DDR-Abschnitt versuchten „Einheit von Wirtschafts- und Sozialpolitik” – scheiterte eben auch an der nur „informellen Autonomie der Arbeiterschaft”, die – neben der unbeweglichen zentralen Planung – auch durch die Aushandlungsprozesse bei Norm und Lohn (durch die Brigaden: „Ständige Produktionsberatung”) letztendlich an den Rand des ökonomischen Reproduktionsrisikos führte. Innovationsschwäche war ebenso eine Folge wie das Tappen in die Hartwährungs-Schuldenfalle. (*56)

Es gab weitere Ursachen des Scheiterns der DDR, neben den ökonomischen gesellschaftliche. Hier seien nur genannt: Die Unehrlichkeit von Funktionären und Leitern, die als einzige die Wahrheit zu kennen vorgaben – also die Selbsttäuschung über die Realität; das Unmündighalten der Menschen mittels undurchschaubaren Agierens von SED und staatlichen Institutionen; das Vorenthalten von Reisemöglichkeiten in die BRD und das westliche Ausland; die unter Verschluß genommenen, alarmierenden Umweltdaten; die geradezu lächerliche Manie der totalen Überwachung von Menschen und Ereignissen – also das zerstörende Mißtrauen.

Das Scheitern unseres Gesellschaftsentwurfs war auch das Scheitern Einzelner. Die Stalinisierung machte aus Genossen Feinde. Exemplarisch stehen dafür das Schicksal von Paul Szillat (1888-1958) und Otto Weber (1889-1971).

Paul Szillat, der Rathenower Oberbürgermeister, von Beruf Feinmechaniker, seit 1910 SPD-Mitglied und nach der Novemberrevolution Stadtverordneter in Berlin, hatte bereits 1932 ein Oberbürgermeisteramt inne – in Brandenburg/Havel. Im preußischen Landtag trat er am 18. Mai 1933 als Fraktionsvorsitzender (und letzter SPD-Abgeordneter) ans Rednerpult und begründete im Namen seiner Partei die Ablehnung des Ermächtigungsgesetzes für Preußen – worauf ihn der NSDAP-Abgeordnete Kube anbrüllte: „Sie haben es noch nicht begriffen, daß Ihre Aufgabe zweierlei enthält: sich zu schämen und zu schweigen.” Szillat schwieg nicht, wurde im Juni 1933 verhaftet und in das KZ Oranienburg gebracht, von den dortigen SA-Schlägern mit Gejohle empfangen und mißhandelt. Anfang August 1933 aus dem KZ entlassen, stand er fortan unter Polizeiaufsicht. Dennoch hielt er mit Parteifreunden heimlich Verbindung und half verfolgten Genossen.

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Paul Szillat

Nach der Befreiung vom Faschismus ernannte ihn die sowjetische Besatzungsmacht zunächst zum stellvertretenden Landrat des Kreises Westhavelland, dann zum Oberbürgermeister von Rathenow. Als stellvertretender Vorsitzender des SPD-Bezirksver-bandes Brandenburg trat er, u. a. mit Friedrich Ebert, Spiegel und Schöpflin, im Frühjahr 1946 für den Zusammenschluß beider Arbeiterparteien ein. Auf dem Vereinigungsparteitag selbst wurde er in den SED-Parteivorstand gewählt. Im Oktober 1946 errang er bei der Wahl ein Mandat im brandenburgischen Landtag.

Szillat war ein Mann, der es gewohnt war, ungeschminkt seine Meinung kundzutun. So kritisierte er ohne Scheu Übergriffe sowjetischer Stellen beim Aufbau von Selbstverwaltungsorganen, beklagte im Mai 1947 die andauernden Demontagen der Besatzungsmacht, die zu einer dramatischen Verschlechterung der Versorgungslage und damit der Stimmung der Bevölkerung Ostdeutschlands führten. Mehrfach kritisierte er auch Stagnationserscheinungen innerhalb der SED. Als unmöglich empfand er, daß „ein Teil unserer Genossen, und zwar beiderseitig, sich noch nicht daran gewöhnen kann, sich gegenseitig als Parteigenossen zu betrachten, sondern immer noch die kleinliche Frage aufwirft ,Wo hat Deine Wiege gestanden?’” Im September 1948 wurde die Zentrale Parteikontrollkommission gebildet, von der er verlangte, daß nicht nur solche Genossen vertreten sein sollten, „die ideologische Kenntnisse der Partei besitzen, sondern auch solche Umgangsformen haben, daß sie bei den Genossen … nicht den Eindruck erwecken, als kämen Kriminalkommissare.” Das waren unerhörte Worte. Doch Szillat wehrte sich vergeblich gegen die Umwandlung der SED in eine „Partei neuen Typs” und blieb zuletzt ein einsamer Mahner im Parteivorstand.

Anfang Juni 1950, schreibt Andreas Herbst, bestätigte man ihm eine gute kommunalpolitische Arbeit, bemängelte aber seine politische Einstellung, „da er sich noch nicht entschieden von der alten Linie der Sozialdemokratie vor 1933 gelöst hat.” Er sollte durch intensive Parteischulung auf den richtigen Kurs geführt werden. Der SED-Kreisvorstand Rathenow-Westhavelland urteilte schärfer: „Genosse Szillat ist ein Genosse, der seine Verwaltungsarbeit vor die der Partei stellt… Bei der Abstimmung im Sekretariat über die Teilnahme am KPdSU(B)-Zirkel führender Genossen enthielt er sich der Stimme. … Seine Entwicklung ist abgeschlossen und entspricht einem Genossen mit starken Tendenzen zum Sozialdemokratismus.”

Die politische Verurteilung führte zu direkten Angriffen in der „Märkischen Volksstimme” am 22. Juni 1950: „Objektivismus und Sozialdemokratismus in Rathenow”. Am nächsten Tag sollte das Stadtparlament zur turnusmäßigen Sitzung zusammentreten. Das wurde verhindert. Die „Rathenower Nachrichten – Informationsblatt des Stadtkreises Rathenow“ schoben am 24.(!) Juni 1950 eine Meldung ein: „Aus verwaltungstechnischen Gründen wird die auf Freitag, den 23. Juni 1950 angesetzte Stadtverordneten-Versammlung vertagt.“ Das hatte die SED bewirkt, um Szillat am Wochenende auf der Kreisdelegiertenkonferenz der SED (24./25. Juni 1950) zu demontieren. Die Grußadresse der Stadt an die Konferenz wurde wie üblich in den „Rathenower Nachrichten“ veröffentlicht, aber schon nicht mehr vom Oberbürgermeister unterzeichnet, sondern mit „Stadtverwaltung Rathenow“.

Die politische Hinrichtung Paul Szillats vollzog die SED-Kreisdelegiertenkonferenz Rathenow-Westhavelland unter dem Motto „Kompromißlose Kritik stärkt die Partei”. Die Redner verurteilten das parteischädigende Verhalten, eine optische Arbeiterin übernahm die Rolle der Antragstellerin: Ausschlußverfahren. Vorsichtige Kritiker in der SED wurden mit inquisitorischen Fragen ruhig gestellt.

Nun sollte der Rathenower Oberbürgermeister kriminalisiert werden, um ihn als Stadtoberhaupt auszuschalten. Am 27. Juni 1950 (fast auf den Tag genau 17 Jahre nach seiner Verschleppung ins KZ) wurde Paul Szillat zusammen mit seinem Sohn Hans und anderen Kommunalfunktionären verhaftet wegen „schwerer Wirtschaftsvergehen“. Nachgeschoben wurde der Vorwurf, Szillat hätte Goldreserven der Rathenower Optischen Werke der sowjetischen Besatzungsmacht vorenthalten. Der brandenburgische Landtag hob die Immunität des 62-jährigen auf.

Anfang November 1950 wurden „wegen umfangreicher politischer Schädlingsarbeit, Agenten- und Sabotagetätigkeit oder deren Unterstützung” folgende Genossen aus der SED ausgeschlossen: Paul und Hans Szillat, Willi Weidland, Willi Häusler, Hermann Lübke, Wilhelm Winter, Heinz Ramlow, Georg Kroschinski, Oswald Leuchner, Peter Ames, Otto Sommer und Karl Renzihausen.

Ein Jahr später, am 13. November 1951, erfolgte die Verurteilung von Paul und Hans Szillat zu acht bzw. vier Jahren Zuchthaus. Der Prozeß war nicht öffentlich, die Presse berichtete nicht. Offensichtlich, weil alle Vorwürfe an den Haaren herbeigezogen waren wie auch die Behauptung, Hans Szillat hätte versucht, Gold-Doublé in einem Juweliergeschäft am Westberliner Bahnhof Zoo zu verkaufen. Der Belastungszeuge, der dies im Prozeß behauptet hatte und damit die Anklage stützte, wurde später von der Ehefrau Szillats in Lübeck ermittelt und 1955 vom Hamburger Landgericht wegen Meineides verurteilt.

Ende April 1956 erließ DDR-Präsident Wilhelm Pieck eine Amnestie. Paul Szillat wurde entlassen und verließ die DDR, den Staat auch seiner früheren Hoffnung. Enttäuscht und zutiefst verletzt ging er nach Westberlin, wo er knapp anderthalb Jahre später, im Januar 1958, verstarb.

1990 wurde er gemeinsam mit seinem Sohn durch die Schiedskommission des Rathenower PDS-Kreisvorstandes politisch rehabilitiert. Die Schuld der SED konnte damit nicht abgetragen werden. Aber wir ehemaligen SED-Mitglieder gestanden unsere Scham ein. Eines der Mitglieder der Schiedskommission war Willi Osterburg, damals in der Stadtverwaltung unter Paul Szillat der Rathenower Kämmerer. Ihn hatte man vor der Aktion gegen den Oberbürgermeister auf eine Parteischule geschickt. Als Entlastungszeuge, der er indirekt hätte sein können, wollte man ihn beim Prozeß nicht haben. Er sorgte mit Heinz Schirrholz und anderen Genossen dafür, mit diesem bösen Kapitel SED-Politik rückhaltlos abzurechnen. Hans Szillat nahm die Entschuldigung entgegen. Die Kassation des Zuchthausurteils erfolgte im April 1992. (*57)

Quellen:

  • *46 „Im Kampf geboren – ein Beitrag zur Geschichte der Arbeiterbewegung im Kreis Rathenow“ , herausgegeben von der Kreiskommission zur Erforschung der örtlichen Arbeiterbewegung bei der Kreisleitung der SED Rathenow, Oktober 1976; S. 11
  • *47 Ebd. S. 11
  • *48 Dank Euch, Ihr Sowjetsoldaten!“, herausgegeben von der Kreiskommission zur Erforschung der örtlichen Arbeiterbewegung bei der Kreisleitung der SED Rathenow 1975; S. 19
  • *49 Ebd. S. 21; Im Kampf geboren S. 19, 29 und 54, Rath. Heimatkalender 1973, S. 113
  • *50 Im Kampf geboren S. 11
  • *51 Ebd. S. 43
  • *52 Ebd. S. 50
  • *53 Ebd. S. 58/59
  • *54 Ebd. S. 65; Dank Euch… S. 21
  • *55 Im Kampf geboren S. 31
  • *56 Nach „Die vergessene Autonomie der Arbeiter. Eine Studie zum frühen Scheitern der DDR am Beispiel der Neptun-Werft“, Karl Dietz Verlag
  • *57 Nach Andreas Herbst in „Neues Deutschland“ vom 10./11.11.2001

Otto Weber, der einzige Rathenower Reichstagsabgeordnete während der Weimarer Republik (1919-1933), war ein Arbeiter. Seine Lebensumstände – Armut und Ausbeutung – hatten zu einer unerschütterlichen sozialistischen, kommunistischen Überzeugung geführt. Warum wurde er dann in der DDR über die Jahrzehnte totgeschwiegen? Sehen wir uns sein bewegtes Leben an.
Am 17. Februar 1889 wird Otto Weber in einer Rathenower Arbeiterfamilie geboren. Der Volksschule folgt eine optische Lehre. Schon 1906 schließt er sich der Gewerkschaft an, und 1907 wird er – 18-jährig – Mitglied der SPD. Nach seiner Lehre arbeitet er in Berlin und ab 1914 kurze Zeit in Paris.

In Paris erlebt er den Ausbruch des I. Weltkrieges und wird als Angehöriger eines Feindstaates interniert. Wegen einer hartnäckigen Krankheit schiebt man ihn in die Schweiz ab, die ihn 1917 nach Deutschland „austauscht“.

Otto Weber arbeitet als Hornarbeiter in einem der vielen Rathenower optischen Betriebe, d. h. er fertigt Brillenfassungen aus Schildplatt. Der revolutionäre Heißsporn schließt sich dem Spartakusbund an, den die mit der Burgfriedenspolitik der SPD-Führung unzufriedenen Sozialdemokraten bilden. Hier trifft er auf Karl Gehrmann, mit dem er lange Zeit gemeinsam im politischen Kampf stehen wird. Mit dem Beginn der Novemberrevolution 1918 gehören beide zum Rathenower Arbeiter- und Soldatenrat, und 1919 gründen sie die örtliche KPD.

1924 wird Weber zum Stadtverordneten gewählt. Natürlich werden die Kommunisten von allen anderen Parteien angefeindet – von den konservativen sowieso, und von der sozialdemokratischen als „Spalter“ und „Radikalinskis“ auch. Manches Redegefecht, von dem die damaligen Zeitungen berichten, soll sie in der Öffentlichkeit herabsetzen. Sie sollen ins gesellschaftliche Abseits gestellt werden. Man will sie als unglaubwürdig abstempeln. Aber das gelingt nicht, von Wahl zu Wahl gewinnen sie mehr Stimmen.

In der Kommunistischen Partei toben jedoch Richtungskämpfe. 1925 wird das „Thälmannsche ZK“ gebildet, das bedeutet die Ausrichtung der Partei nach Moskauer Muster. Fast die gesamte Ortsgruppe der Rathenower KPD gehört der linken Parteiopposition an. Aber Karl Gehrmann schwenkt schon bald zur ZK-Mehrheit (Thälmann) über, so leitet Otto Weber die linke Opposition.

Weber, der seit 1925 auch Mitglied des brandenburgischen Provinzialausschusses ist und ein Jahr zuvor erfolglos für den Reichstag kandidiert hatte, rückt im Januar 1928 für einen verstorbenen Abgeordneten ins höchste Parlament nach. In der KPD-Fraktion gehören vierzehn Mandatsträger zur Gruppe der linken Kommunisten. Sie gelten als „Abweichler“. Das KPD-Zentralkomitee ersucht deshalb Otto Weber, sein Mandat niederzulegen. Der folgt der Aufforderung nicht und wird im Februar 1928 aus der Partei ausgeschlossen. Den anderen der Gruppe ergeht es ebenso, wenn sie nicht schon selbst aus der Kommunistischen Partei ausgetreten sind.

Die 14 Linken sind nun fraktionslos. Sie organisieren sich reichsweit im April 1928 im „Leninbund“. Otto Weber ist Mitbegründer und leitet in den folgenden Jahren die starke Gruppe dieses Bundes in Rathenow. Seine politische Tätigkeit wird von der Politischen Polizei mit Misstrauen beobachtet. Noch 1928 – der Reichstag wurde im Mai neu gewählt, Weber ist ausgeschieden – wird er wegen Landfriedensbruchs angeklagt und zu 6 Monaten Gefängnis verurteilt. Er war der verantwortliche Anmelder einer Demonstration gegen den Aufmarsch des militaristischen „Stahlhelm“ in Rathenow, bei der es zu Ausschreitungen gekommen war. Nur auf Grund einer Amnestie braucht er die Strafe nicht zu verbüßen.

Otto Weber wirkt weiter als Stadtverordneter. Im Leninbund/Linke Kommunisten und mit der KPD gemeinsam kämpft er gegen den heraufziehenden Faschismus – ohne Erfolg. Sofort nach der „Machtergreifung“ der Hitlerfaschisten am 30. Januar 1933 treffen die Leninbündler mit Genossen der Sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands (SAP) – einer linken Abspal-tung der SPD – zusammen, um den Widerstand gegen die Nazis zu organisieren. Otto Weber nimmt an einer illegalen Konferenz in Berlin mit etwa 20 Genossen, darunter Kurt Deutsch und Heinrich Winkler, teil. In der Folgezeit bringen Kuriere Flugblätter nach Rathenow. Als Deckadresse dient Otto Leppins Schneiderwerkstatt im F.-Ebert-Ring IV/4. Von hier aus wird das eingehende Material an die Genossen zur Verteilung weitergegeben.

Zur Landtagswahl am 5. März 1933 kandidiert Otto Weber im hiesigen Wahlkreis auf dem KPD-Listenplatz 1. Die KPD gewinnt trotz erbarmungsloser Verfolgung in Rathenow fast 1000 Stimmen mehr als zuvor – aber er wird das gewonnene Mandat nicht mehr wahrnehmen können. Denn seit die Herrschenden Hitler am 30. Januar die Reichskanzlerschaft übertragen hatten, tobt der offene Staatsterror. Am letzten Februartag 1933, unmittelbar nach der Reichstagsbrandprovokation, rollt die erste Verhaftungswelle. Otto Weber und weitere 13 kommunistische Funktionäre werden von der flugs gebildeten „Hilfspolizei“ aus SA, SS und „Stahlhelm“ verhaftet. Im Polizeigefängnis, Berliner Str. 1-2, werden sie vier Monate gefangen gehalten. Unter Folterungen zur Erpressung von „Geständnissen“; sogar mit einer Scheinerschießung, versuchen die Faschisten, sie klein zu kriegen. Demütigungen und immer wieder Prügel – die „Roten“ sind nicht zu brechen. Im Juni werden sie „versuchsweise“ entlassen. Da sie ihre politische Arbeit fortsetzen und die KPD-Mitglieder neu organisieren, wird die (vermutete) Leitung wieder verhaftet und in das seit dem Sommer bestehende KZ Oranienburg verschleppt. Otto Weber kommt – aus unbekannten Gründen – mit kurzer Haft im März davon.

Aber schon im April 1934 schlägt die Geheime Staatspolizei (Gestapo) zu: Festnahme, Einlieferung ins Amtsgerichtsgefängnis Rathenow, Anklage wegen Vorbereitung zum Hochverrat. Seine Widerstandsgruppe hat Flugblätter angefertigt und verteilt. Der Generalstaatsanwalt beim Kammergericht Berlin beschuldigt Otto Weber, dem Mitangeklagten Gustav Thiecke „um die Jahreswende 1933/34 auf der Straße ein kleines Päckchen übergeben“ zu haben, in welchem sich das „aus 8 Blättern bestehende Programm einer illegalen kommunistischen Druckschrift ‚Rote Blätter’“ befunden habe. Viel mehr ist der Fünfergruppe nicht nachzuweisen. Im August 1934 wird das Urteil gesprochen. Noch steht nicht die Todesstrafe auf Vorbereitung zum Hochverrat; das folgt erst später. Otto Weber erhält 2 Jahre Gefängnis, die „Rädelsführer“ Emil Schultze und Otto Rosin 3 bzw. 2,5 Jahre Zucht-haus, Julius Hagenau und Gustav Thiecke 2 bzw. 2,25 Jahre Gefängnis. Paul Nickel wird freigesprochen.

Nach seiner Entlassung 1936 arbeitet Weber in der Rathenower Optikbude von Willi Köppen in der Jahnstr. 10./11. Er klärt seine Kollegen über die Verbrechen der Nazis auf, sucht Gleichgesinnte, debattiert mit aller Vorsicht über Wege zur Beendigung der faschistischen Herrschaft, betreibt im Krieg Rundfunkagitation (Verbreitung der Nachrichten des Moskauer Rundfunks und Radio London) und unterstützt u. a. französische Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter. Einem von ihnen verhilft er, wie sein Genosse Hermann Schmidt berichtet, zur Flucht.

Als die Deutsche Wehrmacht unter den Schlägen der Sowjetarmee zurückgedrängt wird, soll der „Ostwall“ sie aufhalten. Auch Otto Weber wird zur Zwangsarbeit gezogen und muß von Juli bis Oktober 1944 Erdarbeiten verrichten; vermutlich an der Oder. Ihre Niederlage können die Faschisten nicht verhindern.

Nach der Befreiung vom Hitlerfaschismus ernennt der sowjetische Stadtkommandant Otto Weber zum Stadtrat und Leiter des Dezernats für Volksbildung. Er ist Vorsitzender des Antifa-Ausschusses und wird nach der Zulassung der Parteien im Juni 1945 zum Pol.-Leiter der Rathenower KPD gewählt. Im April 1946 wird er bei der Vereinigung mit der SPD Ko-Vorsitzender des paritätisch besetzten SED-Vorstandes der Stadt.

Im Oktober 1948 jedoch schließt das SED-Landesschiedsgericht Otto Weber „wegen starker sektiererischer Tendenzen“ aus der Partei aus, da er sich zur Politik des Leninbundes von vor 1933 bekannte. Weber hatte sich gegen die Entwicklung zur „Partei neuen Typus“ gewandt. Als „Trotzkist“ wirft man ihm „arbeiterfeindliche Einstellung“, „Opportunismus“ und „Sowjetfeindlichkeit“ vor. Karl Gehrmanns Verwendung für Otto Weber durch eine positive Stellungnahme bleibt wirkungslos. Weber wird alle Funktionen und sein Amt als Stadtrat los.

Seine politische Arbeit leistet der 59jährige nunmehr in der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN). Er sammelt Material und schreibt über den antifaschistischen Widerstand in Rathenow/Westhavelland. 1965 erhält er die Medaille „Kämpfer gegen den Faschismus“, aber sein Name kommt in den Veröffentlichungen nicht vor, sein Gesicht ist heute unbekannt.

Als Otto Weber 1971 in Rathenow stirbt, verwehrt ihm die SED die letzte Ehre. Auf dem städtischen Friedhof gibt es einen Ehrenhain für die antifaschistischen Kämpfer, Gedenksteine tragen deren Namen – aber Weber fehlt. Es ist an der Zeit, die Namen antifaschistischer Persönlichkeiten nachzutragen, wie Otto Weber, Paul Szillat, August Froehlich.

Quellen:

  • Online-Datenbank: Reichstagsabgeordnete der Weimarer Republik http://www.zhfs.uni-koeln.de/biorab
  • Reichstagshandbuch III. Wahlperiode 1924 Berlin 1925
  • Verhandlungen des Reichstages, III. Wahlperiode 1924, Bände 394 und 422
  • Deutsche Kommunisten, Biographisches Handbuch 1918 bis 1945; K. Dietz Verlag
  • Die Reichstagsabgeordneten der Weimarer Republik in der Zeit des Nationalsozialismus, eine biographische Dokumentation, Düsseldorf 1994
  • Mitglieder der Nationalversammlung und des Reichstages der Weimarer Republik
  • Gedenkbücher im Bundestag, Band III
  • VVN-Unterlagen des Brandenburgischen Landeshauptarchivs
  • „Dem 40. Jahrestag der deutschen Novemberrevolution gewidmet“, Kommission der Kreisleitung der SED Rathenow zur Erforschung der Geschichte der Arbeiterbewegung 1958
  • „Rathenower Zeitung“ vom 19. Januar 1929

Gesamtquelle bzw. Übersichtsquelle

Heinz Habedank „Zur Geschichte des Hamburger Aufstandes 1923“, Dissertationsschrift, Dietz Verlag Berlin 1958, S. 40 ff.