Wohnortnahe Schule für alle Kinder wäre die bessere Alternative – Linke Kreis-Bildungspolitik favorisiert inklusive Bildungseinrichtungen
Der Weg zum Kreisgymnasium ist frei – so titelte die Havelland-MAZ vom 18.12.2025 zu den Ergebnissen der Debatten und Beschlüsse im Kreistag zur Fortschreibung der Schulentwicklungsplanung für die kommenden 5 Schuljahre. Darunter eine strahlende Beigeordnete für Schule.
Um es vorwegzunehmen: Die Linke hat sich bei der Beschlussfassung zur Fortschreibung der Schulentwicklungsplanung enthalten. Das hat seinen Grund vor allem darin, dass mit der Weiterentwicklung der Oberschule Premnitz zur Gesamtschule mit gymnasialer Oberstufe sowie dem Festhalten an einer Gesamtschule für das Osthavelland für den Fall weiter ansteigender Schülerzahlen durchaus Elemente Aufnahme in diese Fortschreibung gefunden haben, die die Linke für richtig hält und für die sie sich als Fraktion persönlich eingesetzt hat. In letzter Sekunde – sprich: am Tag der Abstimmung ist dazu sogar noch ein fraktionsübergreifender Antrag aller demokratischen Kreistagsfraktionen zustande gekommen.
Andere Teile der Fortschreibung hält die Linke für falsch: vor allem die erneute und verstärkte Separierung von Kindern mit sonderpädagogischem Förderbedarf in Förderschulen (hier insbesondere die Wiederinbetriebnahme der Förderschule Am Akazienhof Falkensee) sowie der Beschluss zur Errichtung eines Kreisgymnasiums im Osthavelland – unabhängig von seinem künftigen Standort. Beide bildungspolitischen Grundsatzentscheidungen berücksichtigen zwar aktuelle Trends in der Schülerzahlenentwicklung. Aber diese Trends sind u.a. Ausdruck einer verfehlten Gesamt-Bildungspolitik, an der der Landkreis eine Mitverantwortung trägt. So hat er beispielsweise alles unterlassen, um seine ursprüngliche Entscheidung zur Aufnahme der Gesamtschule Brieselang in die letzte Fortschreibung der Schulentwicklungsplanung auch mit allen Kräften zu unterstützen. Jetzt ist die Gemeinde Brieselang auf der Suche nach einem (privaten) Investor für die notwendige Erweiterung des Schulbaus – anstelle, dass dies durch den Kreis übernommen worden wäre. Mit einer solchen Übernahme der Bau-Investor-Leistung hätten für die Perspektive 40 der notwendigen 120 Plätze zum Erwerb der Allgemeinen Hochschulreife (AHR) zur Verfügung gestellt und zum Schuljahr 2026/27 `ans Netz gehen´ können. Die nächste Möglichkeit bestand in Elstal: die dortige Oberschule sollte bereits vor Jahren im Zuge der Gestaltung des Heinz-Sielmann-Schulzentrums in eine Gesamtschule mit gymnasialer Oberstufe weiterentwickelt werden. Dies war sogar Bestandteil der bisherigen Schulentwicklungsplanung. Mit einer entsprechenden aktiven Unterstützung der Gemeinde Wustermark bei der Umsetzung ihrer bereits baureifen Planungen wären weitere 40 AHR-Bildungsplätze möglich gewesen. Dritte Möglichkeit: Schönwalde/Glien. In dieser Gemeinde gibt es bisher noch gar keine weiterführende Schule. Jugendliche aus der Glien-Gemeinde müssen seit Jahren erhebliche Schulwege in Kauf nehmen, wenn sie Schulabschlüsse nach Klasse 10, 12 oder 13 erwerben wollen. Eigentlich ein unhaltbarer Zustand. Mit den aktuellen Wohngebietsplanungen der Gemeinde entsteht erstmals eine Situation, in der die notwendige Schülerzahl für eine eigene weiterführende Schule zustande kommen würde – jedenfalls, wenn man die Zahlen der Gemeinde und der neuen Schulentwicklungsplanung ernst nimmt. Anstelle Schönwalde dabei zu unterstützen, endlich eine eigene weiterführende Gesamtschule mit gymnasialer Oberstufe zur Planungsreife zu führen (und damit die restlichen 40 fehlenden AHR-Schulplätze zu schaffen), oder wenigstens auf die Angebote aus Nauen einzugehen, das ebenfalls seine Oberschule aufgrund wachsender Schülerzahlen zu einer Gesamtschule mit gymnasialer Oberstufe weiterentwickeln wollte, entschied sich der Landkreis und seine konservative Schulverwaltung für eine Zentralschule für ausschließlich AHR-Schüler (Gymnasium), für die es in der näheren Umgebung keine Alternative für den Fall gibt, dass sie im Rahmen der zwölfjährigen Schulzeit `scheitern´ sollten. Außerdem mutet die Kreisverwaltung der Mehrzahl der künftigen Schülerinnen und Schüler dieser Schule mit dem Standort Wustermark tägliche Fahrzeiten zu, die eigentlich für jugendgemäße Freizeit, Kultur, Sport oder selbstbestimmtes Lernen zur Verfügung stehen sollten. Um nicht missverstanden zu werden: Die Linke freut sich für Wustermark als künftigen neuen Schulstandort und die damit verbundenen `weichen Standortfaktoren´. Das wird für die Gemeinde auf jeden Fall positive Auswirkungen haben und diese gönnen wir ihr von ganzem Herzen. Ebenfalls freuen wir uns darüber, dass die notwendigen 120 AHR-Plätze im Landkreis zur Verfügung stehen werden und Jugendliche aus dem Havelland nicht gezwungen sind, in Berlin oder Potsdam die Allgemeine Hochschulreife erwerben zu müssen. Aber die damit verbundene Schulformentscheidung `von oben´ halten wir für grundfalsch und nicht im Interesse der Jugendlichen (siehe Fahrzeiten) sowie ihrer Heimatgemeinden (die dürfen nämlich über die Kreisumlage in Zukunft die Baukosten refinanzieren sowie für ihre Jugendlichen über die differenzierte Kreisumlage de facto Schulgeld und damit doppelt bezahlen).
Die Linke hat seit dem Aufkommen der Planungen für das neue Kreisgymnasium dafür geworben, einen kinder- und gemeindefreundlicheren Bildungs-Weg einzuschlagen und die ursprüngliche Idee der Schulentwicklungsplanung – Oberschulen zu Gesamtschulen mit gymnasialer Oberstufe weiterzuentwickeln – konsequent weiterzuverfolgen. Dabei wird es auch in Zukunft bleiben. Unabhängig davon werden wir nach der aktuellen Beschlussfassung alles unternehmen, damit nun so schnell wie möglich die notwendigen zusätzlichen 120 AHR-Plätze im Havelland zur Verfügung stehen, ohne dass dies in einem finanziellen Fiasko für den Landkreis und seine kreisumlagepflichtigen Gemeinden endet. Die ersten dunklen Wolken sind nämlich schon erkennbar: das neue Kreisgymnasium muss zunächst `auf Pump´ errichtet werden und der Landkreis einen millionenschweren Kredit dafür vom Land genehmigt bekommen. Wie das Verfahren ausgeht, kann im Moment noch keiner mit Sicherheit sagen…
Harald Petzold, stellv. Fraktionsvorsitzender

