Geplante Werksschließung der BSH Hausgeräte GmbH in Nauen – Nicht mit uns!

Jörg Schönberg

Geplante Werksschließung der BSH Hausgeräte GmbH in Nauen – meine politischen Aktivitäten (Oktober–November 2025) als Vertreter der Linken im Havelland

Ausgangslage

Am 10. Oktober 2025 wurde öffentlich bekannt, dass die BSH Hausgeräte GmbH beabsichtigt, ihr Werk in Nauen zu schließen. Am selben Tag berichtete erstmals die Märkische Allgemeine Zeitung (MAZ) darüber.

Von der geplanten Schließung sind über 450 Arbeitsplätze im Werk Nauen unmittelbar betroffen – zuzüglich der Arbeitsplätze bei Zulieferern, Dienstleistern und Transportbetrieben, die ebenfalls vom Standort abhängen. Viele der Beschäftigten leben mit ihren Familien in Schönwalde-Glien und im Landkreis Havelland. Entsprechend sind erhebliche soziale und wirtschaftliche Folgen für unsere Region zu erwarten.

Auch wenn die Schließung des Werkes erst für 2027 angekündigt ist, stehen die betroffenen Familien bereits jetzt unter enormem Druck. Existenzängste, Unsicherheit über die Zukunft sowie Sorgen um Miete, Kredite und Familienplanung sind schon heute Realität. Aus meiner eigenen Erfahrung weiß ich, dass der Zeitraum bis zu einer angekündigten Werksschließung schneller vergeht, als man denkt – mit gravierenden Folgen für Existenzen, Familien und den gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Einbringung einer dringlichen Resolution (16.10.2025)

Aufgrund der kurzfristigen Bekanntwerdung der Schließungspläne habe ich eine Resolution als dringliche Angelegenheit zur Sitzung der Gemeindevertretung Schönwalde-Glien am 16. Oktober 2025 eingebracht.

Ich habe die Dringlichkeit damit begründet,

  • dass die betroffenen Familien bereits unmittelbar mit Existenzsorgen konfrontiert sind,
  • dass ein wirtschaftlich funktionierender Industriestandort aufgegeben werden soll, der im Jahr 2005 mit rund fünf Millionen Euro öffentlichen Fördermitteln aufgebaut wurde,
  • und dass die Gemeindevertretung zeitnah ein klares Zeichen der Solidarität und Verantwortung setzen muss.

Entscheidung der Gemeindevertretung am 16.10.2025 – politische Einordnung

In der Sitzung am 16. Oktober 2025 wurde die von mir eingebrachte Resolution beraten, jedoch von den Fraktionen der CDU und der AfD abgelehnt.

CDU und AfD verfügen in der Gemeindevertretung Schönwalde-Glien über die Mehrheit und haben diese Mehrheit genutzt, um eine Resolution abzulehnen, die ein klares Zeichen der Solidarität mit den Beschäftigten des BSH-Werkes und ihren Familien setzen sollte.

In der Debatte wurde aus der CDU-Fraktion sinngemäß die Auffassung vertreten, dass sich die Gemeindevertretung nicht bei jeder Werksschließung positionieren könne, auch wenn dies für die Betroffenen sehr traurig sei. Unternehmerische Entscheidungen seien aus dieser Sicht hinzunehmen.

Diese Haltung steht aus meiner Sicht im klaren Gegensatz zu dem Anspruch, politische Verantwortung für Beschäftigte, ihre Familien und die wirtschaftliche Stabilität unserer Region zu übernehmen.
Gerade in solchen Situationen braucht es öffentliche Solidarität und politisches Handeln – nicht Distanz.

Die Ablehnung der Resolution am 16.10.2025 war aus meiner Sicht ein falsches Signal gegenüber den Beschäftigten, ihren Familien und der gesamten Region.

Inhalt und Zielrichtung der Resolution

In der Resolution habe ich deutlich gemacht:

  • Der Standort Nauen arbeitet nach vorliegenden Informationen wirtschaftlich erfolgreich und schreibt schwarze Zahlen.
  • Die geplante Schließung steht in keinem nachvollziehbaren Verhältnis zur öffentlichen Förderung und zur regionalen Bedeutung des Werkes.
  • Der drohende Verlust von über 450 Arbeitsplätzen im Werk sowie weiterer Arbeitsplätze bei Zulieferern, Dienstleistern und Transportbetrieben hat gravierende soziale Folgen für Familien, Lebensplanung und den gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Ich habe gefordert:

  1. ein aktives Eintreten der Landesregierung Brandenburg für den Erhalt des Standorts Nauen,
  2. ernsthafte Gespräche der Unternehmensleitung der BSH mit Betriebsrat und IG Metall über tragfähige Alternativen zur Schließung,
  3. Solidaritätsbekundungen und gemeinsame Initiativen der Kommunen im Landkreis Havelland,
  4. sowie ein klares Engagement der Bundesregierung für den Erhalt industrieller Arbeitsplätze in Deutschland.

Weitere politische Aktivitäten und Rückmeldungen (November 2025)

Nach der Ablehnung der Resolution am 16.10.2025 habe ich weitere politische Schritte unternommen, um das Thema auf Landes- und Bundesebene zu platzieren.

Ich habe persönlich Schreiben an die Bundesregierung sowie an mehrere Landesregierungen übermittelt, um auf die drohende Werksschließung, die sozialen Folgen für die betroffenen Familien und die Bedeutung des Standorts Nauen für den Landkreis Havelland hinzuweisen.

Daraufhin haben sich der Ministerpräsident des Landes Baden-Württemberg sowie der Ministerpräsident des Landes Brandenburg mit mir in Verbindung gesetzt – jeweils persönlich beziehungsweise über ihre Staatskanzleien. In beiden Fällen wurde deutlich, dass die Sorgen der Beschäftigten ernst genommen werden und das Thema auf Landesebene bearbeitet wird.

Aus der Bundesregierung sowie aus Bayern steht eine Rückmeldung bislang noch aus.
Dies ist besonders bemerkenswert, da sich der Hauptstandort der BSH in München befindet und Bayern damit eine besondere Verantwortung trägt.

Von mir organisierter Austausch in Rathenow

Ein weiterer wichtiger Schritt war ein von mir organisierter Austausch in Rathenow.

An diesem Austausch nahmen teil:

  • Vertreterinnen und Vertreter des Betriebsrats der BSH aus Nauen,
  • unsere Bundestagsabgeordnete Christin Willnat,
  • sowie die Vorsitzende des Kreisverbandes DIE LINKE Havelland.

Ziel war es, die Lage der Beschäftigten aus erster Hand zu beleuchten, politische Unterstützung zu bündeln und weitere Schritte auf Landes- und Bundesebene zu besprechen. Dabei wurde erneut deutlich, wie groß die Verunsicherung ist und wie dringend verlässliche politische Rückendeckung benötigt wird.

Erneute Befassung der Gemeindevertretung (20.11.2025)

Vor dem Hintergrund der zwischenzeitlichen Rückmeldungen und der weiter zunehmenden Verunsicherung der Betroffenen habe ich die Resolution am 20. November 2025 erneut in die Gemeindevertretung eingebracht.

Im Mittelpunkt standen:

  • die bereits jetzt spürbaren sozialen Auswirkungen der angekündigten Werksschließung,
  • die Erkenntnis, dass die Belastungen nicht erst mit dem Schließungstermin, sondern bereits heute eintreten,
  • sowie die Verantwortung der kommunalen Ebene, die Sorgen der Menschen ernst zu nehmen.

Nach ausführlicher Aussprache wurde eine namentliche Abstimmung beantragt, um Transparenz gegenüber der Öffentlichkeit herzustellen und politische Verantwortung sichtbar zu machen.

Öffentlichkeitsarbeit und Medienresonanz

Mir war von Beginn an wichtig, dass die geplante Schließung des BSH-Werkes in Nauen nicht hinter verschlossenen Türen behandelt wird. Es geht um über 450 Arbeitsplätze im Werk – zuzüglich der Arbeitsplätze bei Zulieferern, Dienstleistern und Transportbetrieben – und damit um die wirtschaftliche und soziale Zukunft einer ganzen Region.

Deshalb habe ich parallel zu den politischen Initiativen eine aktive und breit angelegte Pressearbeit betrieben.
Ich habe meine Pressemitteilung zur geplanten Werksschließung sowie zur Betriebsversammlung vor dem Werksgelände gezielt an regionale und überregionale Medien versandt und meine Bereitschaft für Rückfragen, Interviews und O-Töne erklärt.

Ziel war es, deutlich zu machen, dass diese Entscheidung kein abstrakter betriebswirtschaftlicher Vorgang, sondern ein gesellschaftliches Problem ist – mit unmittelbaren Folgen für Beschäftigte, Familien und den gesamten Landkreis Havelland.

Für mich und Die Linke ist die geplante Schließung des BSH-Werkes in Nauen keine abstrakte Unternehmensentscheidung, sondern eine Frage von Verantwortung gegenüber Menschen.

Ich halte es für falsch, sich politisch hinter dem Argument zurückzuziehen, unternehmerische Entscheidungen seien schlicht hinzunehmen. Gerade dann, wenn ein wirtschaftlich erfolgreicher Standort geschlossen werden soll, muss Politik Haltung zeigen.

Die Linke steht an der Seite der Beschäftigten.
Arbeit ist keine Ware. Arbeitsplätze sind kein beliebig verschiebbarer Kostenfaktor.

Ich werde mich deshalb weiterhin – gemeinsam mit unserer Bundestagsabgeordneten, mit Betriebsräten, Gewerkschaften und politischen Partnern – dafür einsetzen,
dass Alternativen zur Schließung geprüft werden und der Standort Nauen eine Perspektive behält.

Wer kämpft, kann verlieren.
Wer nicht kämpft, hat schon verloren.